Samstag, 10. Oktober 2009

Reflecting on Aphorismus 2: "Freedom", the power of perpetuative cultural codes and Prägungen der Kindheit

Stefan Beljean hat mir ein Buch geschenkt, ganz am Anfang des Soziologiestudiums: Peter Stamm: "Blitzeis". Beigefügt hat er eine weiße Karte auf die er schrieb:
"Große Erkenntnis benötigt nicht immer große Worte. Die in "Blitzeis" versammelten Kurzgeschichten des Schweizer Autors Peter Stamm sind unauffällige, ja beinahe belanglose Erzählungen. Aber gerade in der trocken-subtilen Beschreibung des belanglosen Alltäglichen entwickelt das Buch sein verblüffende Stärke. Es zeigt uns, und hoffentlich auch Dir (Anmerkung: ohoho! ;-)), wie unsere vermeintlich auch so individuellen Schicksale erschreckend starr zeitlichen und kulturellen Mustern folgen."

Mir fällt bei Themen, die um die Systematik von Mustern, soziologischen und psychologsichen, kreisen, immer dieses von Antoine de Saint-Exupery ein: "Ich komme aus meiner Kindheit, wie aus einem Land."

So viele Menschen emigrieren. Vielleicht wegen ihrer Kindheit, wegen den Codes, den Ausschlussmechanismen in ihrem Land; vielleicht, weil sie Ausgeschlossene sind, vielleicht, weil sie nicht länger mit ansehen wollen, wie andere zu anderen sagen: "Ihr gehört nicht dazu!" - Zu was eigentlich? ... "Alle eingeloggt und hinter Gitter." (http://tiny.cc/2p=Wr)

Mir gefällt die Idee des Auswanderns aus dem Land der Kindheit. Mein Vater ist ein Emigrant. 1963.
Auch gefällt mir ein oft gedachtes Bild von einer Kindheit als einem Paradies, das oft verklärt wird; möglicherweise, weil in ihm Schmerz und Erfüllung noch so ganz nah beieinander, so ganz nah bei uns selbst liegen, weil wir noch spüren. Sara sagte vorgestern am Telefon, wie können von Kinder so viel lernen. Sie sind oft schlauer als wir. "Ihr sollt werden, wie die Kinder." Ich füge hinzu: auf einer bestimmten Ebene: ohne Zweifel.

"Ich komme aus meiner Kindheit, wie aus einem Land." Ja. Und ich gehe, wohin ich gehe. Ja. Und ich weiß:

"Bedenke mein Freund, wo immer Du hingehst: Du gehst immer mit Dir." Seneca

Wenn Stefan von starren kulturellen Mustern spricht, dann weiß er, dass ich ihm das auch heute in dieser Absolutheit nicht abnehme. Wenn ich auch heute weiß um ihre Macht, die Macht der Muster. Jedoch nicht so, dass früher garnicht um sie wußte: heute weiß ich anders. Bewusster. Ich spiele mit Ihnen, wenn ich es kann und ich bin erfolgreich damit. Und wir sollen auch garnicht zurück, zu irgendetwas, zu unserem Urszustand, das wäre schlimm, ein Regress. Keine Entwicklung, kein Wachstum, kein Sprühen. Wir brauchen kein gestern, um uns zu finden, denn wir finden uns nur hier. Mit Mustern, ohne. Spielend. Denn, : "Wir sind nie modern gewesen."

Fein.

"Geh in der Verwandlung aus und ein." Rilke



Peter Stamm liest am 28.10.09 in Konstanz im Historischen Pumpraum (ob das ein geschichtsträchtiges Fitnesstudio ist?) im Wasserwerk aus "Sieben Jahre". Ich bin gespannt.

Literaturtage in BW

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